Situationsplan zeichnen: Schritt-für-Schritt-Anleitung nach AREI
Komplette Anleitung für einen belastbaren Situationsplan: vom Grundriss über AREI-Symbole und Stromkreisreferenzen bis zum fachlich geprüften Dokument.
Der Situationsplan (auch Lageplan oder Plan de Situation) zeigt, wo genau sich jede elektrische Komponente in Ihrem Gebäude befindet. Bei neuen hauswirtschaftlichen Anlagen und wesentlichen Änderungen oder Erweiterungen gehört er zusammen mit dem Eindrahtschema zu den vorgeschriebenen Plänen. Für Bestands- und Kleinänderungsfälle gelten genau abgegrenzte Regeln; der Kontrollorganismus beurteilt das konkrete Dossier.
Kurz erklärt: Während das Eindrahtschema die logische Verschaltung darstellt (welcher Schalter steuert welche Leuchte, über welchen Stromkreis), zeigt der Situationsplan die physische Position jeder Komponente im Grundriss.
In dieser Anleitung lernen Sie, wie Sie einen prüfbaren Situationsplan Schritt für Schritt vorbereiten. Ob das gesamte Dossier und die ausgeführte Anlage den Vorschriften entsprechen, beurteilt ausschließlich ein zugelassener Kontrollorganismus.
Schritt 1: Grundriss vorbereiten
Maße und Maßstab
Der Grundriss bildet die Basis Ihres Situationsplans. Sie können ihn aus einem Bauplan übernehmen oder selbst zeichnen.
Wichtig:
- Verwenden Sie einen einheitlichen Maßstab (üblich: 1:50 oder 1:100).
- Zeichnen Sie alle Wände, Türen und Fenster ein.
- Markieren Sie Öffnungsrichtungen von Türen (Viertelkreis) — das beeinflusst die Schalterposition.
Räume beschriften
Versehen Sie jeden Raum mit seiner Bezeichnung und idealerweise der Fläche:
| Kürzel | Raum | Typische Fläche |
|---|---|---|
| WZ | Wohnzimmer | 25–40 m² |
| KÜ | Küche | 10–20 m² |
| SZ | Schlafzimmer | 12–18 m² |
| BZ | Badezimmer | 5–10 m² |
| FL | Flur | 5–15 m² |
| GA | Garage | 15–30 m² |
| KE | Keller | variabel |
| AU | Außenbereich | variabel |
Schritt 2: AREI-Symbole verwenden
Das AREI gibt in Tabelle 2.23 eine nicht erschöpfende Liste der zu verwendenden Symbole vor. Ist für ein Bauteil kein Symbol in der Tabelle enthalten, darf ein anderes eindeutig identifizierbares Symbol verwendet werden, sofern es in der Legende definiert ist. Hier sind zehn wichtige Symbolgruppen für den Situationsplan:
| Nr. | Symbol | Beschreibung | Verwendung |
|---|---|---|---|
| 1 | ⏚ Halbkreis | Einfache Steckdose | Wandposition markieren |
| 2 | ⏚⏚ Doppel-Halbkreis | Doppelsteckdose | Wandposition markieren |
| 3 | ○ mit Kreuz | Deckenleuchte | Mitte des Raums/Position |
| 4 | ─○ mit Strich | Wandleuchte | An der Wand |
| 5 | Schaltzeichen | Einfacher Schalter | Neben der Tür (Öffnungsseite) |
| 6 | Schaltzeichen mit 2 Pfeilen | Serienschalter | Steuert 2 Leuchten |
| 7 | Schaltzeichen mit Linie | Wechselschalter | Zwei Stellen, ein Licht |
| 8 | Rechteck mit Blitz | Verteilerkasten | Meist Flur/Technikraum |
| 9 | ⏚ mit PE | Erdungsanschluss | Erdungspunkt |
| 10 | Kreis mit R | Rauchmelder | Fluchtwege (Flur, Treppenhaus), regional unterschiedlich |
Tipp: Verwenden Sie für gängige Bauteile die AREI-Symbole aus Tabelle 2.23. Werden abweichende Symbole benötigt, müssen diese eindeutig sein und in der Legende erläutert werden — undefinierte bzw. nicht erklärte Symbole werden bei der Kontrolle beanstandet.
Schritt 3: Komponenten einzeichnen
Jetzt platzieren Sie die Symbole im Grundriss. Folgende Regeln helfen bei der korrekten Positionierung:
Steckdosen
- An der Wand einzeichnen, an der tatsächlichen Position.
- Küche: Tatsächliche Arbeitssteckdosen und feste Geräte einzeln erfassen; Anzahl und Einzelstromkreise aus Nutzung und Fachplanung ableiten.
- Wohnräume: Tatsächlich geplante oder vorhandene Steckdosen einzeichnen; das AREI schreibt keine allgemeine Anzahl pro Fläche vor.
- Badezimmer: Niederspannungs-Steckdosen erst ab Bereich 2 (nur bei Badewannen; die Steckdose muss durch eine Differenzstrom-Schutzeinrichtung mit sehr hoher Empfindlichkeit ≤ 10 mA oder jeweils einzeln durch einen Trenntransformator mit max. 100 W geschützt sein) bzw. außerhalb der Bereiche. Bei Duschen existiert Bereich 2 nicht (Art. 7.1.3.2 Nr. 3b, Art. 7.1.5.2d).
- Außen: Tatsächliche äußere Einflüsse, erforderliche IP-Ausführung und anwendbaren 30-mA-Schutz fachlich bestimmen; ein pauschal eigener RCD ist keine allgemeine Aussage dieses Plans.
Schalter
- Neben der Tür auf der Öffnungsseite, ca. 105 cm Höhe (Praxisempfehlung -- das AREI schreibt keine spezifische Schalthöhe vor, fordert aber 'leicht zugänglich').
- Wechselschalter bei Räumen mit mehreren Eingängen oder am Treppenanfang/-ende.
- Verbinden Sie Schalter und zugehörige Leuchten mit einer gestrichelten Linie.
Leuchten
- Deckenleuchten in die Raummitte oder an die geplante Position.
- Wandleuchten an der Wandposition.
- Alle tatsächlich geplanten oder vorhandenen Lichtpunkte einzeichnen; die benötigte Anzahl folgt Nutzung und Planung.
Regionale Brandschutzangaben
Rauchmelder können als getrennte Gebäudeinformation ergänzt werden. Anforderungen unterscheiden sich nach Region und Nutzung und werden gegen die aktuell zuständige amtliche Quelle geprüft. Sie sind keine pauschale Inhaltsvorgabe des AREI-Lageplans und werden im Dossier klar von elektrischen Stromkreisreferenzen getrennt.
Sonderverbraucher
- Wallbox (Elektroauto): Garage oder Außenwand, eigener Stromkreis.
- Boiler/Durchlauferhitzer: Eigener Stromkreis, Position einzeichnen.
- Wärmepumpe/Klimaanlage: Außeneinheit + Inneneinheit markieren.
Schritt 4: Stromkreisnummern zuordnen
Jede Komponente im Situationsplan erhält die gleiche Stromkreisnummer wie im Eindrahtschema. Das ist essentiell für die Zuordnung bei der Kontrolle.
So funktioniert es:
- Das AREI kennzeichnet Elementarstromkreise per Großbuchstaben (A, B, C, ...) und die einzelnen Elemente (Lichtpunkt, Steckdose) per laufender Nummer — z. B. „A1, A2, ...".
- Schreiben Sie diese Kennung an jede Komponente im Situationsplan.
- Eine vereinfachte reine Durchnummerierung (z. B. „K1" oder „1") ist als Praxis-Variante verbreitet, sofern Eindrahtschema und Situationsplan konsistent bleiben.
Beispiel:
- Stromkreis 1: Beleuchtung Erdgeschoss → Alle Leuchten im EG erhalten „1".
- Stromkreis 2: Steckdosen Wohnzimmer → Alle WZ-Steckdosen erhalten „2".
- Stromkreis 3: Steckdosen Küche → Alle KÜ-Steckdosen erhalten „3".
- Stromkreis 4: Dediziert Backofen → Eine Steckdose mit „4".
Wichtig: Die Nummern müssen zwischen Eindrahtschema und Situationsplan exakt übereinstimmen. Inkonsistenzen sind einer der häufigsten Gründe für eine Beanstandung bei der Kontrolle.
Dokumentationspflicht: Art. 9.1.2 Nr. 1 (Einstrich-Schema) und Art. 9.1.2 Nr. 2 (Lageplan/Situationsplan).
Schritt 5: Legende und Beschriftung
Ergänzen Sie Ihren Plan um:
- Legende mit allen verwendeten Symbolen und ihrer Bedeutung.
- Titelblock (Cartouche) mit: Name des Eigentümers, Adresse, Datum, Planersteller, Maßstab.
- Nordpfeil (optional, aber hilfreich).
- Stockwerk-Kennzeichnung bei mehrgeschossigen Gebäuden (ein Plan pro Etage).
Häufige Fehler
| Fehler | Konsequenz | Lösung |
|---|---|---|
| Regionale Brandschutzangaben als AREI-Regel behandeln | Falsche Prüfgrundlage | Separat gegen aktuelle regionale Quelle prüfen und kennzeichnen |
| Außensteckdose pauschal behandeln | Äußere Einflüsse oder Schutz können falsch sein | IP-Ausführung und 30-mA-Schutz projektspezifisch prüfen |
| Fehlende Beschriftung / Stromkreisnummern | Beanstandung | Jede Komponente nummerieren |
| Undefinierte/nicht erklärte Symbole | Beanstandung | AREI-Symbole (Tab. 2.23) nutzen; abweichende Symbole eindeutig wählen und in der Legende erläutern |
| Schalter auf falscher Türseite | Unpraktisch (kein AREI-Verstoß) | Öffnungsrichtung prüfen |
| Badezimmer-Steckdose falsch zum Bereich dargestellt | Plan und Ausführung können einen sicherheitsrelevanten Befund auslösen | Bereiche und Schutz nach aktuellem Kapitel 7.1 fachlich prüfen |
| Keine Legende | Beanstandung | Symboltabelle beifügen |
Checkliste vor der Abgabe
- Alle Räume beschriftet
- Alle Steckdosen, Schalter, Leuchten eingezeichnet
- Regionale Brandschutzinformationen, falls dargestellt, getrennt geprüft und gekennzeichnet
- Außensteckdosen mit projektspezifischer IP- und Schutzbewertung erfasst
- Stromkreisnummern an jeder Komponente
- Nummern stimmen mit Eindrahtschema überein
- AREI-Symbole verwendet (Tabelle 2.23)
- Legende vorhanden
- Titelblock mit Name, Adresse, Datum
- Ein Plan pro Stockwerk
Praxisprüfung: Stimmen Plan und Gebäude wirklich überein?
Gehen Sie nach dem Zeichnen mit dem Plan durch das Gebäude. Beginnen Sie am Verteiler und folgen Sie jedem Stromkreis. Prüfen Sie nicht nur, ob eine Steckdose vorhanden ist, sondern auch, ob Mehrfachsteckdose, geschaltete Steckdose, Verbindungsdose, fester Anschluss oder Lichtpunkt richtig unterschieden sind. Bei Schaltern muss die Referenz erkennen lassen, welchen Lichtpunkt oder welches Gerät sie steuern. Geräte hinter Einbaumöbeln, Außenelemente, Technikräume und Nebengebäude werden leicht übersehen.
Danach folgt der Kreuzvergleich mit dem Eindrahtschema. Ein Element mit Kennung A3 im Lageplan muss dort als dasselbe Element im Stromkreis A erscheinen. Doppelte Kennungen, übersprungene Nummern und nachträglich verschobene Geräte sind typische Ursachen für widersprüchliche Dokumente. Verwenden Sie bei mehreren Etagen oder Gebäudeteilen eine nachvollziehbare Blattstruktur und behalten Sie Nummer, Fassung und Fassungsdatum auf jedem ausgegebenen Plan bei.
Der Lageplan bildet den realen Zustand ab, nicht bloß die ursprüngliche Absicht. Markieren Sie Änderungen daher erst als abgeschlossen, nachdem Leitungsführung und Geräteposition auf der Baustelle geprüft wurden. Bei einer kleinen, nicht wesentlichen Änderung kann nach Buch 1 für das Eindrahtschema eine kurze Beschreibung genügen; die Änderung oder Erweiterung bleibt aber im Lageplan darzustellen. Bei wesentlichen Änderungen oder Erweiterungen werden Einstrich-Schema und Lageplan erstellt beziehungsweise aktualisiert und die betroffenen Arbeiten vor Ingebrauchnahme geprüft.
Grenzen, die der Plan nicht entscheiden kann
Ein Symbol beweist weder richtige Montagehöhe noch Schutzart, Badezimmerbereich, Erdungsqualität oder korrekte Abschaltzeit. Solche Eigenschaften benötigen Ortsprüfung, Messungen und gegebenenfalls Herstellerunterlagen. Rauchmelderpflichten stammen zudem aus regionalem Bau- und Wohnrecht und dürfen nicht pauschal als Lageplanpflicht des AREI behandelt werden. Der Plan kann Rauchmelder als hilfreiche Gebäudeelemente zeigen, doch die elektrische Kontrolle und regionale Anforderungen bleiben getrennte Fragen.
PlanElec hält Geräteposition und elektrische Zuordnung in einem Projektmodell zusammen. Prüfen Sie dennoch jede vorgeschlagene Verbindung. Nicht platzierte, noch keinem Stromkreis zugeordnete oder nur als Referenz importierte Elemente dürfen nicht stillschweigend als fertig gelten. Der orientierende Selbstcheck deckt nur unterstützte Regeln ab; die offizielle Beurteilung erfolgt durch einen zugelassenen Kontrollorganismus.
Amtliche Quelle
Abnahmefähige Lesbarkeit vorbereiten
Drucken oder exportieren Sie den Plan einmal in der vorgesehenen Blattgröße. Symbole, Referenzen und Raumgrenzen müssen ohne extremes Zoomen unterscheidbar bleiben. Überlagerte Kennungen werden versetzt, aber mit einer klaren Bezugslinie verbunden. Eine Farbe kann bei der Bearbeitung helfen, darf jedoch nicht die einzige Bedeutung tragen, weil Ausdrucke schwarzweiß sein können.
Führen Sie eine offene-Punkte-Liste für nicht zugängliche Dosen, unbekannte Schalterbeziehungen oder vermutete Leitungswege. Solche Punkte werden vor der finalen Fassung geklärt oder sichtbar als unbekannt behandelt. Ein präzise markierter Datenmangel ist fachlich ehrlicher als ein Symbol an einer geschätzten Position. Lassen Sie zuletzt eine zweite Person stichprobenartig Referenzen zwischen Lageplan, Einstrich-Schema und Verteilerbeschriftung verfolgen.
- FÖD Wirtschaft: RGIE/AREI Buch 1, aktuelle amtliche Veröffentlichung
- Relevant sind insbesondere Buch 1 V06, Abschnitt 3.1.2 und Tabelle 2.23. Das AREI erlaubt ein anderes eindeutig identifizierbares Symbol, wenn Tabelle 2.23 keines enthält und die Legende es erklärt.
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