PV-Anlage im Situationsplan zeichnen: Module, Wechselrichter und Leitungswege
So verorten Sie PV-Module, Wechselrichter, feste Trennstellen, Verteiler und Leitungswege im Situationsplan und halten ihn mit dem Eindrahtschema synchron.
Beim Photovoltaikprojekt konzentriert sich die Dokumentation oft auf das Eindrahtschema. Dort stehen Strings, Wechselrichter, Schutzgeräte und Anschluss am Verteiler. Der Situationsplan erfüllt eine andere Aufgabe: Er zeigt die räumliche Lage der festen elektrischen Komponenten. Für spätere Wartung, Umbau und Prüfung muss erkennbar sein, auf welcher Dachfläche die Module liegen, wo der Wechselrichter montiert ist und wie die feste Anlage mit dem Verteiler verbunden ist.
Ein Situationsplan ist weder ein Dachstatikplan noch ein vollständiger DC-Schaltplan. Er ergänzt das Eindrahtschema, ohne dessen elektrische Details zu duplizieren.
Grundlage: aktueller Gebäudeplan und Ist-Aufnahme
Verwenden Sie einen maßstäblich nachvollziehbaren Grundriss oder eine eindeutige Gebäudezeichnung mit Geschossen, Räumen, Zugängen und wichtigen Außenflächen. Für Dachanlagen kann eine Dachaufsicht oder ergänzende Ansicht sinnvoll sein. Prüfen Sie vor Ort:
- genaue Modulfelder und ihre Orientierung;
- Lage des Wechselrichters oder der Mikro-Wechselrichter;
- feste DC- und AC-Trennstellen, sofern vorhanden;
- Haupt- und Unterverteiler, an den die PV-Anlage angeschlossen ist;
- feste Kabeldurchführungen und wesentliche Leitungswege;
- Zähler- oder Messschrank, wenn er für die Zuordnung nötig ist;
- Batteriespeicher, Backup-Umschaltung oder Generatoranschluss, falls Teil des Systems.
Übernehmen Sie nicht ungeprüft den Angebotsplan. Dachbelegung, Wechselrichterstandort und Leitungsführung ändern sich häufig während der Montage.
Was auf dem Dach erscheinen sollte
Zeigen Sie das Modulfeld so, dass seine Lage eindeutig ist. Abhängig von Größe und Planmaßstab kann das bedeuten:
- einzelne Module oder klar abgegrenzte Modulgruppen;
- Zuordnung zu Dachfläche, Nebengebäude, Fassade oder Freifläche;
- verständliche Kennzeichnung der Strings, wenn sie zur Verbindung mit dem Eindrahtschema nötig ist;
- Lage von fest installierten DC-Sammel- oder Schaltkästen;
- relevante Gebäudekanten, Dachzugänge oder Brandabschnitte, soweit sie die elektrische Lage erklären.
Der Situationsplan muss nicht jede Steckverbindung unter einem Modul darstellen. Stringverschaltung, Polarität, Leitertyp und elektrische Schutzkette gehören in erster Linie in das PV-Eindrahtschema. Verwenden Sie auf beiden Dokumenten dieselben String- und Gerätebezeichnungen.
Wechselrichter eindeutig lokalisieren
Markieren Sie den tatsächlichen Montageort und unterscheiden Sie gegebenenfalls:
- zentralen Stringwechselrichter;
- mehrere Wechselrichter;
- Mikro-Wechselrichter an oder unter den Modulen;
- Hybridwechselrichter und separaten Batteriespeicher;
- zugehörige feste Trenn- oder Schaltvorrichtungen.
Eine bloße Beschriftung „Garage“ genügt bei einem großen Raum nicht immer. Das Symbol sollte an der Wand oder Position liegen, an der das Gerät erreichbar ist. Bei außen montierten Geräten ist die Fassadenseite eindeutig anzugeben.
Leitungswege lesbar statt dekorativ zeichnen
Ein hilfreicher Plan zeigt, wie die feste elektrische Verbindung räumlich vom Modulbereich zum Wechselrichter und weiter zum Verteiler verläuft. Zeichnen Sie insbesondere Gebäudedurchführungen, Steigzonen, Schächte oder Wechsel zwischen Geschossen, wenn sie später nicht sichtbar sind.
Unterscheiden Sie DC- und AC-Weg durch definierte Linienarten oder Beschriftungen. Farben allein sind ungeeignet, weil Ausdrucke schwarz-weiß sein können. Eine Legende kann beispielsweise festlegen:
PV-DC ─ ─ ─ Gleichstromleitung vom Modulfeld
PV-AC ───── Wechselstromleitung zum Verteiler
DAT ····· feste Mess-/Kommunikationsleitung
Die Linien sind Dokumentationssymbole, keine Aussage über Verlegeart oder Kabeltyp. Diese Angaben stehen am zugehörigen Stromkreis im Eindrahtschema.
Symbole und eigene Legende
Die Symboltabelle 2.23 von AREI Buch 1 V06 ist nicht erschöpfend. Ein eindeutiges projektspezifisches Zeichen für Modulfeld, Wechselrichter oder DC-Trennstelle kann verwendet werden, wenn die Legende es erklärt. Achten Sie auf:
- ausreichende Größe im PDF-Ausdruck;
- unterschiedliche Form oder Zusatztext für Wechselrichter und Speicher;
- gleichbleibende Referenzen auf allen Seiten;
- keine rein farbliche Unterscheidung;
- klare Abgrenzung zwischen elektrischem Betriebsmittel und baulichem Objekt.
Die AREI-Symbolübersicht beschreibt die Legendenregel und technische Zusatzangaben ausführlicher.
Stromkreisreferenzen verbinden beide Pläne
Teil 3 von AREI Buch 1 V06 verlangt für Situationsplan und Eindrahtschema eine gemeinsame Referenzlogik. Der AC-Abgang des Wechselrichters muss daher im Situationsplan dieselbe Stromkreiskennung tragen wie im Eindrahtschema. String- oder Gerätekennungen sollten ebenfalls identisch bleiben, wenn sie auf beiden Plänen verwendet werden.
Ein praktischer Abgleich läuft in beide Richtungen:
- Jedes feste PV-Element im Situationsplan wird im Eindrahtschema oder in dessen Legende gefunden.
- Jeder räumlich relevante PV-Baustein des Eindrahtschemas erhält eine auffindbare Position.
- Verteiler- und Geschossbezeichnungen stimmen überein.
- Versionsstand, Datum und Anlagenadresse sind auf beiden Dokumenten gleich.
Mehr zur Aufgabenteilung steht unter Eindrahtschema versus Situationsplan.
Besondere Konfigurationen
Mikro-Wechselrichter
Bei vielen baugleichen Geräten kann eine gruppierte Darstellung mit Anzahl, Typ und eindeutiger Zuordnung lesbarer sein als überlappende Symbole. Der elektrische Parallelanschluss bleibt im Eindrahtschema sichtbar.
Batteriespeicher
Markieren Sie Speicher, Wechselrichter, feste Trennstellen und gegebenenfalls Backup-Verteiler räumlich. Ein Speicher ist kein PV-Modul und braucht ein eigenes Symbol. Sicherheitsabstände oder Aufstellanforderungen stammen aus Planung und Herstellerunterlagen; der Plan dokumentiert die ausgeführte Lage.
Nebengebäude oder Freifläche
Zeigen Sie die Verbindung zwischen Gebäuden, den Eintrittspunkt und beteiligte Unterverteiler. Ein Pfeil „zum Haus“ ohne eindeutiges Ziel erschwert spätere Arbeiten.
Bestehende Anlagen
Teil 8 enthält für bestimmte bestehende hauswirtschaftliche PV-Anlagen bis 10 kVA eine Abweichung, nach der eine schriftliche Beschreibung, gegebenenfalls mit Fotos, ausreichen kann. Diese Bestandsregel ist kein allgemeiner Ersatz für einen aktuellen Situationsplan bei Neubau oder wesentlicher Änderung. Klären Sie den konkreten Anwendungsfall fachlich.
Dossier und Fotodokumentation
Fotos ergänzen den Situationsplan sinnvoll, besonders bei verdeckten Leitungswegen, Dachbereichen und Gerätebeschriftungen. Sie ersetzen nicht automatisch die strukturierten elektrischen Pläne. Legen Sie mindestens ab:
- finalen Situationsplan und Eindrahtschema;
- Modul- und Wechselrichterdaten;
- verfügbare String- und Messdaten;
- Herstelleranleitungen und Konformitätsunterlagen;
- Prüfberichte einer zugelassenen Stelle;
- spätere Änderungen mit neuem Versionsstand.
Der Eigentümer sollte das Dossier verfügbar halten und bei Änderungen aktualisieren lassen.
Abschlusscheck
Kontrollieren Sie vor dem PDF-Export:
- Sind alle Modulfelder, Wechselrichter und festen Zusatzgeräte am richtigen Ort?
- Sind DC- und AC-Weg unterscheidbar und in der Legende erklärt?
- Stimmen Stromkreis-, String- und Verteilerreferenzen mit dem Eindrahtschema überein?
- Bleiben Symbole und Texte im geplanten Druckformat lesbar?
- Entspricht der Plan dem Ist-Zustand statt nur dem ursprünglichen Angebot?
- Tragen beide Pläne dieselbe Adresse, Version und dasselbe Datum?
Mehrseitige Pläne eindeutig organisieren
Passt Dach, Technikraum und Verteilung nicht lesbar auf eine Seite, teilen Sie den Plan in beschriftete Ansichten. Ein Übersichtsblatt zeigt die Beziehung zwischen Gebäude, Dachflächen und Verteilern; Detailblätter vergrößern Modulfelder oder Technikzonen. Verwenden Sie Blattnummern und eindeutige Fortsetzungsverweise wie „PV-DC weiter auf Blatt S2“.
Jede Teilansicht braucht genug Orientierung: Geschoss, Raumname, Nordrichtung oder klar erkennbare Gebäudeseite. Kopieren Sie nicht dieselbe Gerätekennung auf mehrere Positionen, sofern es nicht tatsächlich mehrere Geräte gibt. Eine Referenztabelle kann Symbol, Geräte-ID, Stromkreis und Blatt zusammenführen. So bleibt auch ein umfangreicher Plan prüfbar, ohne dass kleine Symbole oder lange Leitungswege die Lesbarkeit zerstören.
Praxisbeispiel: zwei Dachflächen und ein Wechselrichter im Technikraum
Nehmen Sie ein Haus mit Modulen auf Ost- und Westdach, zwei DC-Strings und einem Wechselrichter im Technikraum an. Der Situationsplan zeigt zwei getrennte Modulfelder mit eigener Kennung, nicht ein Symbol in der Dachmitte. Markieren Sie, welche Stringreferenz zu welcher Fläche gehört und an welcher Stelle die DC-Leitungen in das Gebäude eintreten. Der gemeinsame Leitungsweg zum Technikraum wird nur dann als ein Trassenabschnitt dargestellt, wenn dies der realen Ausführung entspricht.
Im Technikraum erhält der Wechselrichter eine eindeutige Gerätekennung und seine reale Wandposition. Liegen DC-Trennstelle, Überspannungsschutz oder weitere feste Einrichtungen extern, werden auch sie lokalisiert und mit dem Eindrahtschema verknüpft. Integrierte Funktionen bleiben am Gerät dokumentiert und werden nicht als separate Kästen erfunden. Der AC-Weg endet beim richtigen Verteiler und Stromkreis; eine Linie zum nächstgelegenen Raum wäre fachlich wertlos.
Prüfen Sie die Orientierung des Dachdetails. Dachseite, Traufe, First, Nordrichtung und erkennbare Gebäudekanten sollten reichen, um Feld und Eintrittspunkt vor Ort wiederzufinden. Der Plan muss keine Montagezeichnung mit jedem Haken sein. Er sollte aber Unterschiede abbilden, die für elektrische Zuordnung, sichere Arbeit oder spätere Fehlersuche relevant sind.
Aufnahme bei verdeckten oder unzugänglichen Wegen
Erfinden Sie keine geometrisch exakte Route, wenn der Bestand sie nicht erkennen lässt. Kennzeichnen Sie einen Abschnitt als verdeckt oder nur anhand vorhandener Unterlagen übernommen und bewahren Sie die Quelle der Angabe auf. Fotos vom Eintrittspunkt, Beschriftungen, Durchführungen und Technikraum helfen, die Unsicherheit einzugrenzen. Eine gestrichelte Linie erhält nur dann diese Bedeutung, wenn die Legende sie definiert.
Unterscheiden Sie drei Wissensstände: vor Ort gesehen, durch verlässliche technische Unterlagen belegt und noch zu klären. Offene Punkte gehören in eine Arbeitsliste, nicht als scheinbar sichere Linie in die Endfassung. Vor der Kontrolle sollte die verantwortliche Fachkraft entscheiden, ob weitere Aufnahme oder Freilegung erforderlich ist.
Änderungen am Dach systematisch nachführen
Nach Modultausch, zusätzlichem Feld oder neuem Wechselrichter prüfen Sie mehr als die sichtbare Dachfläche. Aktualisieren Sie Feld- und Stringkennung, Leitungsweg, Eintrittspunkt, Geräteposition, DC- und AC-Referenzen sowie technische Unterlagen. Werden Module nur innerhalb eines bestehenden Strings ersetzt, dokumentieren Sie trotzdem die tatsächlich installierte Anzahl und Nennleistung in der dafür vorgesehenen Akte. Werden Strings neu verschaltet, müssen Eindrahtschema und Situationsplan denselben neuen Stand tragen.
Bewahren Sie die ersetzte Version mit Datum getrennt auf. So lässt sich später erkennen, ob ein Foto oder Prüfbericht zum alten oder aktuellen Aufbau gehört. Eine Cloud-Ansicht des Wechselrichters kann Ertragsdaten liefern, ersetzt aber weder räumliche Aufnahme noch den Planstand.
Kontrollieren Sie die Endfassung bei der vorgesehenen Druckgröße. Ein neues Feld darf vorhandene Referenzen nicht überdecken, und eine Leitung darf nicht wie eine Gebäudekante wirken. Verschieben Sie Detailrahmen kontrolliert, aktualisieren Sie den Blattindex und prüfen Sie jeden Fortsetzungsverweis. Damit bleibt auch eine erweiterte Dachanlage ohne Zoomen oder Zugriff auf die Editor-Datei vor Ort verständlich.
Die amtliche FÖD-Seite zu Kontrollen von Wohnanlagen nennt Quellen ausdrücklich als Inhalte von Eindrahtschema und Situationsplan sowie die PV-Technikunterlagen als Teil des Dossiers. Die notwendige Detailtiefe richtet sich nach Anlage und amtlichem Buch 1 V06, nicht nach einer pauschalen Dachvorlage.
Situationsplan mit PlanElec erstellen
Mit PlanElec können Sie PV-Komponenten im Situationsplan platzieren, die elektrische Struktur im Eindrahtschema erfassen und beide Dokumente als PDF exportieren. Die Software übernimmt nur die eingegebenen Projektdaten. Der orientierende Selbstcheck kann unterstützte Angaben auf Auffälligkeiten prüfen, ersetzt aber weder Vor-Ort-Abgleich noch zugelassene Prüfung und bestätigt keine AREI-Konformität.
Quellenstand
Grundlage ist die amtliche Veröffentlichung von AREI/RGIE Buch 1, insbesondere Teil 2 Tabelle 2.23, Teil 3 zu Inhalt und Referenzen, Kapitel 7.112, Teil 8 für eng begrenzte Bestandsabweichungen und Teil 9 zum Dossier. Geprüfter Stand: V06, 29.08.2026.