Anleitung

PV-Anlage im Schema: Dokumentation und AREI-Vorschriften für Solaranlagen

Vollständige Anleitung zur Dokumentation einer PV-Anlage im Eindrahtschema. Schutzgeräte, Netzbetreiber-Anmeldung, Batterie-Integration und AREI Art. 7.112.

Veröffentlicht am 21. April 2026 Aktualisiert am 29. August 2026 9 min

Eine Photovoltaikanlage (PV-Anlage) auf dem Dach ist in Belgien nicht nur eine Investition in die Zukunft — sie muss auch korrekt dokumentiert und beim Netzbetreiber angemeldet werden. In diesem Artikel erfahren Sie, wie die PV-Anlage im Eindrahtschema dargestellt wird, welche Schutzgeräte nötig sind und was bei der Anmeldung zu beachten ist.


Warum ist die Dokumentation Pflicht?

Jede PV-Anlage muss in der elektrischen Dokumentation Ihres Gebäudes erscheinen — das heißt:

  1. Eindrahtschema: Die PV-Anlage mit allen Komponenten (Module, Wechselrichter, Schutzgeräte) muss eingezeichnet sein.
  2. Situationsplan: Die Position des Wechselrichters und der DC-Trennschalter muss markiert sein.
  3. Netzbetreiber-Anmeldung: Die Anlage muss beim zuständigen Netzbetreiber registriert werden.

Ohne korrekte Dokumentation:

  • Besteht die AREI-Kontrolle nicht.
  • Kann der Netzbetreiber den Netzanschluss verweigern.
  • Entfällt der Anspruch auf Einspeisevergütung oder Prosumententarif.

Was gehört ins Eindrahtschema?

Die PV-Anlage wird als eigener Strang im Eindrahtschema dargestellt. Der Signalfluss läuft von den Modulen bis zum Einspeisepunkt:

Komponentenkette

PV-Module (Strings)
   │
   ├── DC-Kabel (Solar-Kabel, z.B. 6 mm²)
   │
   ├── DC-Trennschalter (Feuerwehrschalter)
   │
   ├── SPD DC-Seite (Überspannungsschutz DC)
   │
   └── Wechselrichter (Inverter)
         │
         ├── SPD AC-Seite (Überspannungsschutz AC)
         │
         ├── MCB für PV-Kreis (z.B. B20A oder C20A je nach Wechselrichter)
         │
         ├── RCD 30 mA Typ A (oder Typ B bei trafolosem Wechselrichter)
         │
         └── Einspeisepunkt (Anschluss an Hauptverteiler)

Symbole im Schema

KomponenteAREI-SymbolAnmerkung
PV-ModulRechteck mit SonnensymbolAnzahl und Leistung angeben (z. B. „12x 400 Wp")
WechselrichterRechteck mit „~" und „="DC-Eingang / AC-Ausgang
DC-TrennschalterSchaltersymbol mit „DC"Feuerwehr-Freischaltung
SPDBlitzsymbol mit ErdeDC-Seite UND AC-Seite
MCBStandard-MCB-SymbolTyp B ist für die meisten modernen Wechselrichter mit Soft-Start ausreichend; Typ C nur bei hohem Einschaltstrom (Herstellerangaben beachten)
RCDStandard-RCD-SymbolTyp angeben (A oder B)

Schutzgeräte für PV-Anlagen

DC-Seite (zwischen Modulen und Wechselrichter)

SchutzgerätFunktionPflicht?
DC-TrennschalterFreischalten der PV-ModuleEmpfohlen / gute Praxis (oft Hersteller- bzw. Netzbetreibervorgabe; nicht aus Art. 7.112)
SPD DC-SeiteÜberspannungsschutz DC-SeiteArt. 4.5.1 verlangt allgemein Überspannungsschutz nach den Regeln des Fachs; in der Praxis bei PV empfohlen, insbesondere bei Modulen >10 m vom Wechselrichter oder Leitungen auf dem Dach
String-SicherungenSchutz bei mehreren StringsAb 3+ parallelen Strings

DC-Trennschalter: Eine DC-Trennvorrichtung ist gute Praxis (und wird von vielen Wechselrichter-Herstellern bzw. Netzbetreibern gefordert); sie folgt jedoch nicht aus Art. 7.112. Sie sollte leicht zugänglich und deutlich gekennzeichnet sein und kann auch im Gebäude installiert werden, solange sie auffindbar bleibt.

AC-Seite (zwischen Wechselrichter und Verteiler)

SchutzgerätFunktionPflicht?
SPD AC-SeiteÜberspannungsschutz AC-SeiteArt. 4.5.1 — Überspannungsschutz nach Regeln des Fachs
MCB (B- oder C-Charakteristik)Kurzschluss- und ÜberlastschutzJa
RCD 30 mAFehlerstromschutzEmpfohlen (dedizierter RCD pro PV-AC-Kreis ist nicht zwingend vom AREI vorgeschrieben; der Kreis muss durch die allgemeinen Schutzmassnahmen geschützt sein)

Welcher RCD-Typ?

Wechselrichter-TypRCD-TypWarum?
Mit Trafo (galvanische Trennung)Typ AKein DC-Fehlerstrom möglich
Trafolos (ohne galvanische Trennung)Typ BDC-Fehlerströme möglich
Mit integrierter RCMUTyp ARCMU erkennt DC-Fehlerströme intern

Tipp: Moderne Wechselrichter haben oft eine integrierte RCMU (Residual Current Monitoring Unit), die DC-Fehlerströme erkennt. In diesem Fall genügt ein Typ-A-RCD. Prüfen Sie die Herstellerangaben.


Wechselrichter: Homologation nach Synergrid C10/26

Bevor der Netzbetreiber die Einspeisung freigibt, muss der Wechselrichter selbst zugelassen sein. Maßgeblich ist die Synergrid-Liste C10/26 – das Verzeichnis der Geräte, die nach der technischen Vorschrift C10/11 (Anhang D) homologiert sind. Sie gilt landesweit, also auch in Wallonien und Brüssel.

Was geprüft wirdWarum es zählt
Modell exaktSuffixe unterscheiden Einträge (SUN2000-8KTL-M0SUN2000-8KTL-M1)
Firmware-VersionDie Homologation gilt je Firmware-Stand; ein abweichender Stand gilt als nicht homologiert
StatusSynergrid streicht Einträge; abgelaufene Homologationen sind für Neuanlagen nicht mehr verwendbar
Batterie-/HybridgerätAuch der Speicher-Wechselrichter braucht einen Eintrag – DC-Speicher hängen am gelisteten Hybridgerät

Prüfen Sie Ihr Gerät kostenlos mit dem Synergrid-C10/26-Check (für Speicher: Hausakku-Check). Bei einem Nicht-Treffer schlägt das Tool technisch vergleichbare, homologierte Geräte vor. Hintergrund und Lesehilfe zu Referenz, Smax und Einschränkungen: Synergrid-Liste C10/26 erklärt.


Anmeldung beim Netzbetreiber

Zuständige Netzbetreiber in Belgien

RegionNetzbetreiber
FlandernFluvius
WallonienORES, RESA, AIEG
BrüsselSibelga

Ablauf der Anmeldung

  1. Vor der Installation: Antrag auf Netzanschluss / Kapazitätserweiterung beim Netzbetreiber (bei Anlagen > 5 kVA oft nötig).
  2. Nach der Installation: Konformitätserklärung des Installateurs einreichen.
  3. AREI-Kontrolle: Durch zugelassenen Kontrollorganismus (z. B. BTV, Vinçotte, AIB).
  4. Zählerumstellung: Auf bidirektionalen (digitalen) Zähler umstellen.
  5. Aktivierung: Netzbetreiber gibt die Einspeisung frei.

Erforderliche Dokumente

  • Eindrahtschema (mit PV-Anlage)
  • Situationsplan
  • Datenblatt der PV-Module
  • Datenblatt des Wechselrichters – der Wechselrichter muss auf der Synergrid-Liste C10/26 stehen, prüfbar mit dem Synergrid-C10/26-Check (Hintergrund: Synergrid-Liste C10/26 erklärt)
  • Konformitätserklärung des Installateurs
  • AREI-Kontrollbericht

Fristen

  • Fluvius (Flandern): Anmeldung innerhalb von 30 Tagen nach Inbetriebnahme.
  • ORES (Wallonien): Anmeldung vor der Inbetriebnahme empfohlen.
  • Sibelga (Brüssel): Voranmeldung bei Anlagen > 5 kVA.

Maximale Einspeiseleistung: Belgische Netzbetreiber begrenzen die maximale Einspeiseleistung (typisch 5 kVA bei Standardanschluss). Für höhere Leistungen ist eine Netzkapazitätsprüfung erforderlich.


Eigenverbrauch vs. Einspeisung

Flandern: Digitaler Zähler

Seit 2021 werden in Flandern alle analogen Zähler schrittweise durch digitale Zähler ersetzt. Der digitale Zähler misst Verbrauch und Einspeisung separat:

  • Eigenverbrauch wird direkt verrechnet (kein Netzentgelt).
  • Einspeisung wird zum aktuellen Marktpreis vergütet (Injection-Tarif).
  • Netzbezug wird zum normalen Tarif berechnet.

Tipp: Maximieren Sie den Eigenverbrauch durch intelligente Steuerung (Wärmepumpe, Boiler, Wallbox tagsüber laden).

Wallonien: Prosumententarif

In Wallonien gilt seit 2024 der Prosumententarif:

  • Kompensation zwischen Einspeisung und Verbrauch auf Jahresbasis (noch bis Ende 2030).
  • Ab 2031 schrittweise Umstellung auf Echtzeit-Messung.
  • Netzgebühren werden auf Basis des Jahresverbrauchs berechnet.

Brüssel

  • Green-Certificate-System: Grüne Zertifikate pro erzeugter MWh.
  • Kompensation über den Zähler möglich (abhängig vom Zählertyp).

Batterie-Integration im Schema

Wenn Sie einen Batteriespeicher hinzufügen, erweitert sich das Schema:

Zusätzliche Komponenten

Wechselrichter (Hybrid-Wechselrichter)
   │
   ├── AC-Ausgang → Hauptverteiler (wie oben)
   │
   └── DC-Batterie-Anschluss
         │
         ├── Batterie-Trennschalter (DC)
         │
         ├── BMS (Batterie-Management-System, intern)
         │
         └── Batteriespeicher (z.B. 10 kWh LFP)

Notstrom-Umschaltung (optional)

Bei einem Notstrom-fähigen System kommt hinzu:

  • Umschaltvorrichtung (automatisch oder manuell): Trennt das Haus vom Netz und versorgt es aus der Batterie.
  • Muss im Eindrahtschema als Umschalter eingezeichnet werden.
  • Die Notstrom-Kreise müssen gekennzeichnet sein.

AREI-Vorschrift: Bei Notstrom-Systemen muss sichergestellt sein, dass keine Rückspeisung ins Netz stattfindet, wenn das Netz abgeschaltet ist (Inselschutz / Anti-Islanding).


AREI-Spezialregeln für PV (Art. 7.112)

Das AREI widmet hauswirtschaftlichen Niederspannung-PV-Anlagen bis 10 kVA einen eigenen Abschnitt — Art. 7.112 (für Anlagen > 10 kVA gelten diese Spezialregeln nicht). Die besonderen Maßnahmen nach Art. 7.112.2 sind: Bereitstellung der Dokumentation nach Abschnitt 9.1.2, Kennzeichnung der Gleichstromleiter und aktiven Wechselstromleiter, Warnschilder („Nicht unter Last ausschalten" / „Elektrische Anlage steht immer unter Spannung") sowie Erdung der Modulrahmen. Daneben gibt es weitere gute Praxis und Hersteller-/Netzbetreibervorgaben:

RegelDetailsGrundlage
Kennzeichnung der LeiterGleichstromleiter und aktive Wechselstromleiter kennzeichnenArt. 7.112.2
Warnschilder„Nicht unter Last ausschalten" und „Elektrische Anlage steht immer unter Spannung" (o. Gleichw.)Art. 7.112.2
Erdung der ModulrahmenSchutzleiter ≥ 2,5 mm² (mit) bzw. ≥ 4 mm² (ohne mechanischen Schutz)Art. 7.112.2
DC-TrennschalterLeicht zugänglich, deutlich gekennzeichnetGute Praxis / Herstellervorgabe
Kabelführung DCGetrennt von AC-Kabeln verlegen (eigener Kabelkanal/Rohr)Gute Praxis / IEC
Schutzklasse KabelDC-Kabel mind. Klasse II (doppelt isoliert)Gute Praxis / IEC
BlitzschutzBei Gebäuden mit Blitzschutzanlage: PV in Blitzschutzkonzept integrierenGute Praxis
DachbefestigungKeine AREI-Vorschrift, aber Baurecht (Windlast, Statik) beachtenBaurecht

Kennzeichnung am Gebäude

Gemäß AREI muss am Gebäude ein Hinweisschild angebracht werden, das auf die PV-Anlage hinweist:

  • Am Zählerkasten oder Hauptverteiler
  • Am DC-Trennschalter
  • Am Gebäudeeingang (Feuerwehr-Information)

Text: „Achtung: Photovoltaikanlage. DC-Spannung kann auch bei abgeschaltetem Netz anliegen."


PlanElec: PV im Eindrahtschema

Mit PlanElec können Sie Ihre PV-Anlage direkt im Eindrahtschema dokumentieren:

  • PV-Module als Quelle hinzufügen
  • Wechselrichter und Schutzgeräte platzieren
  • Unterstützter Selbstcheck für erfasste Schutzgeräte und Angaben
  • Export als PDF zur weiteren Prüfung durch Fachbetrieb, Netzbetreiber oder Kontrollorganismus

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Abschlussprüfung vor Kontrolle und Anmeldung

Frieren Sie vor dem Zusammenstellen des Dossiers den real installierten Stand ein. Erfassen Sie exakte Modul-, Wechselrichter- und Speicherreferenzen, die in der Homologation genannte Firmware, AC-/DC-Daten, Stringzuordnung, Schutzgeräte, Trennstellen sowie Leitungsarten und -wege. Angebot oder Familienprospekt belegen nicht, welches Gerät mit welcher Firmware montiert wurde. Typenschildfotos helfen bei der Rückverfolgbarkeit, ersetzen aber weder Pläne noch Erklärungen.

Vergleichen Sie die konkrete Produktbezeichnung und Einschränkungen mit der offiziellen Synergrid-C10/26-Seite. Ein Listentreffer betrifft den Typ der Netzschnittstelle; er genehmigt nicht die Gesamtanlage, Leitungsdimensionierung oder AREI-Akte. Plug-and-play-Geräte besitzen einen eigenen Listenumfang. Bei fehlender oder mehrdeutiger Referenz fragen Sie Hersteller beziehungsweise Importeur und den zuständigen Netzbetreiber, statt einen ähnlich benannten Eintrag zu wählen.

Gleichen Sie Eindrahtschema, Situationsplan und Ausführung Punkt für Punkt ab. Zeigen Sie, wo AC- und DC-Seiten weiter unter Spannung stehen können, kennzeichnen Sie Schalt-/Trenneinrichtungen und bewahren Sie Herstelleranleitung sowie Inbetriebnahmeeinstellungen auf. Der Kontrollorganismus bewertet die elektrische Anlage; der Netzbetreiber führt sein Anmelde- und Anschlussverfahren durch. Das sind getrennte Entscheidungen: Der Kontrollbericht ist keine Netzfreigabe, der C10/26-Eintrag kein bestandener Kontrolltermin.

Bei Änderungen werden die Unterlagen vor erneuter Verwendung aktualisiert. Wechselrichtertausch, zusätzliche Strings, Speichernachrüstung oder geänderter Schutz können mehrere Seiten betreffen. Bewahren Sie den alten Stand und datieren Sie die neue Ist-Dokumentation. Amtliche Basis sind AREI Buch 1 V06, insbesondere Kapitel 7.112 und Teil 9, sowie die aktuelle Herstelleranleitung des konkreten Geräts.

Übergabematrix

Ordnen Sie jedem Nachweis eine verantwortliche Quelle zu: Planersteller für aktuelle Schemas, Installateur für Ausführung und Erklärung, Hersteller für Geräte- und Firmwaredaten, Kontrollorganismus für den Kontrollbericht und Netzbetreiber für Anmeldung beziehungsweise Anschluss. Vermerken Sie Dokumentdatum und konkrete Produktreferenz. So wird sichtbar, wenn etwa ein neues Wechselrichtermodell noch mit dem Datenblatt des Vorgängers dokumentiert ist. Eine vollständige Matrix ersetzt keine Prüfung, verhindert aber widersprüchliche Unterlagen.

Prüfen Sie zusätzlich, ob alle Warnhinweise und Trennstellen vor Ort dauerhaft lesbar und im Plan auffindbar sind. Notieren Sie Abweichungen zwischen geplanten und montierten Stringlängen, bevor aus dem Plan die Ist-Fassung wird.

Bewahren Sie die unterschriebene beziehungsweise ausgestellte Endfassung getrennt von Entwürfen auf und verknüpfen Sie sie eindeutig mit dem montierten Gerätestand.