Eindrahtschema für Neubau: belastbare AREI-Checkliste
Vom Netzanschluss über Schutzgeräte und Leitungen bis zur gemeinsamen Version mit dem Situationsplan: vollständige Checkliste nach AREI Buch 1 V06.
Ziel: ein Schema, das die ausgeführte Anlage beschreibt
Bei einer neuen häuslichen Elektroinstallation erstellt der für die Ausführung der Arbeit Verantwortliche Eindrahtschema und Situationsplan. Das Eindrahtschema ist kein früher Entwurf, der nach der Baustelle unverändert bleibt. Vor der Konformitätsprüfung muss es mit Verteilern, Schutzgeräten, Leitungen, Stromkreisen, Verbrauchern und Quellen des tatsächlich ausgeführten Zustands übereinstimmen.
Diese Checkliste behandelt häusliche Anlagen nach AREI/RGIE Buch 1 Version 06. Sie ist auf den üblichen Wechselstromfall ausgerichtet. Die seit 1. April 2026 geltenden Regeln für geerdete Gleichstromsysteme bilden einen zusätzlichen Fachbereich und dürfen nicht durch Übertragen von AC-Rollen oder Symbolen improvisiert werden.
1. Verantwortlichkeit und Dokumentkopf festlegen
Bevor Stromkreise gezeichnet werden, braucht der Dokumentensatz eine eindeutige Identität:
- Nummer des Dokuments;
- Fassung und Datum dieser Fassung;
- Adresse der Installation;
- Name und Eigenschaft des für die Ausführung Verantwortlichen;
- Mehrwertsteuernummer, falls anwendbar;
- vorgesehene Felder für Datum und Unterschriften;
- Spannung und Stromart auf dem Eindrahtschema.
Eindrahtschema und Situationsplan sollten dieselbe Fassung bezeichnen. Der Dateiname allein reicht nicht, weil Ausdrucke oder zusammengeführte PDFs sonst ihren Stand verlieren. Ein Exportdatum ist ebenfalls nicht automatisch das Datum, an dem die Anlage fachlich aufgenommen wurde.
Die spätere Unterschrift oder Visierung der zugelassenen Stelle entsteht nur im Kontrollverfahren bei entsprechendem Ergebnis. Tragen Sie keine vorweggenommene Prüferfreigabe oder Formulierung „AREI-konform“ in einen Arbeitsstand ein.
2. Versorgung und Anschlussdaten klären
Das Schema beginnt mit der realen Versorgung. Ermitteln Sie nicht aus einem Standardmuster, sondern anhand von Anschlussdaten und Ausführung:
- ein- oder dreiphasige Versorgung;
- Nennspannung und Stromart;
- vorhandener Neutral- und Schutzleiter;
- Anschluss- und Zähleranordnung;
- Nennwert des Anschlussschutzes;
- Haupt-Lasttrennschalter;
- Netz- und Erdungskonzept, soweit für Planung und Schutz erforderlich;
- weitere Quellen wie PV-Wechselrichter oder Transformator.
Ein belgischer Anschluss ist nicht allein anhand der Steckdose als 230/400-V-Sternnetz oder 3×230-V-Netz erkennbar. Falsche Annahmen wirken sich auf Polzahl, Neutralleiter, RCD-Verdrahtung und Verbraucher aus. Anschlussvertrag, Verteileraufbau und Messung müssen zusammenpassen.
3. Jeden Verteiler als Teil der Schutzkette erfassen
Nehmen Sie Haupt- und Unterverteiler mit ihrer Einspeisung und Verbindung auf. Der elektrische Pfad soll vom Speisepunkt bis zu jedem Endstromkreis nachvollziehbar sein. Dazu gehören je nach Anlage:
- Hauptschalter und vorgeschaltete Schutzorgane;
- Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen mit Typ, Bemessungsdifferenzstrom, Bemessungsstrom und relevanter Charakteristik;
- Sicherungen oder Leitungsschutzschalter mit Nennstrom und erforderlicher Kennlinie;
- Sammelschienen, Verbindungen und Unterverteilungen, soweit sie für die Struktur notwendig sind;
- Reserveschalter als Reserve, nicht als scheinbar angeschlossener Stromkreis;
- eindeutige Bezeichnung jedes Verteilers und Abgangs.
Die bloße Folge 300 mA und 30 mA beweist keine Selektivität. Wellenformtyp, erhöhte Immunität und zeitliche Selektivität sind getrennte Eigenschaften. Herstellerkoordination, Kurzschlussbedingungen und Abschaltzeiten bleiben Teil der fachlichen Planung.
4. Endstromkreise eindeutig benennen
Jeder Elementarstromkreis erhält einen Großbuchstaben. Verwenden Sie eine stabile Reihenfolge und dieselbe Bezeichnung am Verteiler. Innerhalb des Stromkreises werden Lichtpunkte, Steckdosen und Steuerwerke ab dem vorgeschalteten Überstromschutz fortlaufend nummeriert.
Für jeden Abgang sollte die Aufnahme mindestens beantworten:
- Welche Nutzung und welche Verbraucher gehören dazu?
- Handelt es sich um Licht, Steckdosen, Mischkreis oder eigenen Gerätekreis?
- Welche ortsfesten Geräte sind angeschlossen?
- Gibt es Verbindungs- oder Abzweigdosen?
- Welche RCD-Gruppe schützt den Kreis?
- Stimmen Schema, Verteileretikett und Situationsplan überein?
Eine Bezeichnung „Küche“ ist oft zu ungenau, wenn Beleuchtung, Arbeitssteckdosen, Geschirrspüler und Kochfeld getrennt versorgt werden. Namen unterstützen die Orientierung; die elektrische Referenz muss eindeutig bleiben.
5. Leitungsdaten vollständig angeben
Unterabschnitt 3.1.2.2 fordert Typ, Querschnitt, Anzahl Leiter und Verlegeart. Erfassen Sie diese Daten pro relevantem Leitungsabschnitt. Ein Stromkreis kann nach einer Abzweig- oder Verbindungsdose unterschiedliche Segmente haben; ein einziger Kabeltext am Anfang darf solche Unterschiede nicht verschleiern.
Prüfen Sie zusätzlich, ohne die Prüfung mit dem Schema zu verwechseln:
- Belastungsstrom, Nennstrom des Schutzorgans und zulässige Strombelastbarkeit;
- Verlegeart, Häufung, Temperatur und Dämmung;
- Leitungslänge und Spannungsfall;
- Kurzschluss- und Fehlerschleifenbedingungen;
- Mindestquerschnitte und besondere Stromkreisregeln;
- Übereinstimmung von Schutzleiterangabe und tatsächlich verwendeter Leitung.
Tabelle 4.11 liefert für häusliche Kupferleiter Obergrenzen zwischen Querschnitt und Schutzorgan, aber keine vollständige Dimensionierung. Ein sauberer Text wie XVB 3G2,5 kann technisch falsch sein, wenn die reale Leitung oder Auslegung davon abweicht.
6. Verbraucher, Dosen und Steuerungen aufnehmen
Das Eindrahtschema enthält Steckdosen, Lichtpunkte, Schalter, Verbindungs- und Abzweigdosen sowie ortsfeste Maschinen und Geräte. Verwenden Sie die Symbole aus Tabelle 2.23; fehlt ein Zeichen, darf eine eindeutig definierte Legende ergänzt werden.
Unterscheiden Sie, wo es fachlich relevant ist:
- Einzel- und Mehrfachsteckdose;
- Schutzkontakt, geschaltete oder spezielle Steckdose;
- Lichtpunkt und tatsächliche Schaltfunktion;
- Taster, Relais, Bewegungsmelder oder Domotiksteuerung;
- fest angeschlossenes Gerät und gewöhnliche Steckdosenlast;
- Verbindungsdose und Abzweigdose.
Ein allgemeines Geräte-Rechteck mit Text kann sinnvoller sein als ein erfundenes detailliertes Piktogramm. Entscheidend sind eindeutige Funktion, Referenz und Anschluss.
7. Quellen und besondere Anlagenteile nicht vergessen
PV, Wechselrichter, Batterie, Generator oder andere Quelle sind keine Randnotiz. Quellen werden im Eindrahtschema dargestellt; ihre Eigenschaften stehen dort oder in der Anlagenakte. Bei einer häuslichen Niederspannungs-PV-Anlage umfasst die Akte zusätzlich Betriebsanleitungen, Sicherheitshinweise sowie technische Referenzen und Eigenschaften der installierten Betriebsmittel.
Ein PV-Pfeil am Hauptverteiler reicht daher nicht. Anschlussstelle, Schutzkette und relevante Komponenten müssen nachvollziehbar sein. Ob eine Batterie Energie exportieren kann oder nur hinter einem Wechselrichter arbeitet, darf nicht geraten werden. Nicht vollständig unterstützte Sonderquellen benötigen fachliche Zusatzdokumentation.
Falls Sicherheits- oder kritische Anlagen vorhanden sind, können ergänzende Listen und Pläne erforderlich sein. Ihre Quellen, Stromkreise und Verbraucher werden eindeutig identifiziert.
8. Situationsplan synchronisieren
Jeder auf dem Eindrahtschema dargestellte Verteiler, jede relevante Dose, Steckdose, Leuchte, Steuerung, ortsfeste Maschine und Quelle erhält die korrespondierende räumliche Position. Die Referenz C3 meint in beiden Dokumenten dasselbe Element.
Führen Sie einen Abgleich in beide Richtungen durch:
- jedes Schemaelement im Situationsplan suchen;
- jedes Plansymbol im Eindrahtschema suchen;
- Stromkreisletter und Nummer vergleichen;
- Raum, Geschoss und Verteilerzuordnung prüfen;
- verdeckte Dosen und Außenbereiche nicht übersehen.
Unbekannte Kabelwege werden nicht erfunden. Der Situationsplan zeigt die Lage der geforderten Komponenten; zusätzliche Kabel- oder Erdungspläne werden nur mit belastbaren Daten erstellt.
9. Vor der Konformitätsprüfung den Ist-Stand einfrieren
Vor Ingebrauchnahme wird die neue Anlage der Konformitätsprüfung unterzogen. Die zugelassene Stelle prüft unter anderem die Ausführung gegen Eindrahtschema und Situationsplan sowie Mess- und Schutzaspekte wie Erdungswiderstand, Isolationsniveau, Schutzleiterdurchgängigkeit und das Zusammenspiel der Schutzgeräte.
Kurz vor dem Termin sollten deshalb nicht nur Schreibfehler, sondern reale Abweichungen gesucht werden:
- Wurde auf der Baustelle ein anderer Automat oder RCD eingebaut?
- Ist ein Kabelquerschnitt oder Leitungstyp geändert worden?
- Kam eine Steckdose, Leuchte oder Dose hinzu?
- Wurde ein Stromkreis auf einen anderen RCD umgeklemmt?
- Stimmen Verteilerbeschriftung und Referenzen?
- Sind alle Dokumentseiten derselben Fassung zugeordnet?
Korrigieren Sie den Anlagenstand und die Dokumente gemeinsam. Ein Plan darf nicht nachträglich so angepasst werden, dass ein technischer Fehler nur grafisch verschwindet.
10. Dossier und künftige Änderungen organisieren
Zum häuslichen Dossier gehören nicht nur die zwei Pläne, sondern auch Berichte, gegebenenfalls Nachweise und spätere Änderungsunterlagen. Der Eigentümer bewahrt die Akte in zweifacher Ausfertigung auf und übermittelt sie bei einem Eigentümerwechsel.
Nach der Freigabe bleibt das Schema kein Archivstück ohne Pflege. Wesentliche Änderungen erfordern aktualisierte Schemata und Pläne; nicht wesentliche Änderungen werden nach den AREI-Regeln beschrieben, und der Situationsplan wird auf dem aktuellen Zustand gehalten. Bewahren Sie den geprüften Stand und jede spätere Version nachvollziehbar auf.
Kompakte Endkontrolle
- Dokumentnummer, Version, Datum, Adresse und Verantwortlicher vollständig
- Spannung, Stromart und reale Anschlusskonfiguration angegeben
- alle Verteiler und Quellen enthalten
- RCD- und Überstromschutz mit Eigenschaften erfasst
- jeder Endstromkreis eindeutig bezeichnet
- Leitungstyp, Querschnitt, Leiterzahl und Verlegeart vollständig
- Steckdosen, Lichtpunkte, Dosen, Schalter und feste Geräte vorhanden
- Symbole entsprechen Tabelle 2.23 oder sind eindeutig in der Legende definiert
- Referenzen stimmen mit Verteiler und Situationsplan überein
- Baustellenänderungen in beiden Dokumenten nachgeführt
- Zusatzunterlagen für PV, Sicherheits- oder Sonderanlagen ergänzt
- fachliche Dimensionierung und Messungen außerhalb des Schemas geprüft
Abgleich zwischen Planung, Baustelle und Inbetriebnahme
Ein Neubau verändert sich zwischen Ausschreibung und Inbetriebnahme fast immer. Führen Sie deshalb eine offene Abweichungsliste: geplante Referenz, ausgeführte Änderung, verantwortliche Entscheidung, betroffene Pläne und noch fehlender Nachweis. Beispiele sind ein versetzter Verteiler, eine zusätzliche Außensteckdose, eine geänderte Wärmepumpenleistung oder ein später ergänzter PV-Wechselrichter. Erst wenn jede Zeile erledigt oder ausdrücklich als nicht ausgeführt markiert ist, wird aus dem Planungsschema ein Ist-Schema.
Gehen Sie danach gemeinsam mit Beschriftung und Messunterlagen durch die Anlage. Betätigen Sie Stromkreise nicht allein anhand vermuteter Raumnamen. Vergleichen Sie die tatsächliche Kennzeichnung im Verteiler mit der Referenz im Schema und dem Punkt im Situationsplan. Werden während der Inbetriebnahme Leiter, Schutzorgane oder Einstellungen geändert, muss die Dokumentation nachgezogen werden; ein früher PDF-Export ist keine belastbare Schlussfassung.
Beispielprüfung eines neuen Endstromkreises
Für einen fest angeschlossenen Trockner reicht die Zeile „Waschküche“ nicht. Die Akte sollte erkennen lassen, aus welchem Verteiler und hinter welchen Schutzgeräten der Stromkreis kommt, wie er referenziert ist, welche Leitung mit welchen Leitern und welchem Querschnitt verwendet wurde und welches feste Gerät am Ende liegt. Auf dem Situationsplan steht dieselbe Referenz an der tatsächlichen Anschlussstelle. Geräteanleitung, Bemessungsdaten und gegebenenfalls erforderliche Einstellungen werden getrennt als technische Unterlage aufbewahrt.
Prüfen Sie anschließend die Schnittstellen: Ist der Schutzleiterpfad nachvollziehbar? Stimmt die Geräteanschlussart mit der Zeichnung überein? Wurde aus einer vorgesehenen Einzelversorgung während des Baus eine gemeinsam genutzte Leitung? Gibt es eine Abzweigdose, die im Schema fehlt? Solche Fragen verhindern, dass formal vollständige Blätter einen inzwischen überholten Planungsstand zeigen.
Übergabe als kontrollierter Dokumentensatz
Benennen Sie die finale Ausgabe eindeutig, beispielsweise mit Projekt, Adresse, Revisionsstand und Exportdatum. Legen Sie Eindrahtschema, Situationsplan, Kontrollbericht und technische Unterlagen in einer geordneten Akte ab. Arbeitskopien und frühere Revisionen bleiben getrennt als Historie gekennzeichnet. Der Eigentümer muss wissen, welche Dateien aktuell sind und dass spätere Änderungen erneut dokumentiert werden müssen.
Die amtliche FÖD-Seite zur Kontrolle von Wohnanlagen nennt die mindestens vorzulegenden Pläne und beschreibt deren Inhalt. Sie ersetzt nicht die Detailvorgaben von AREI Buch 1 V06 oder die fachliche Auslegung für das konkrete Projekt.
Vorbereitung mit PlanElec
PlanElec kann Grundriss, elektrische Topologie und Verteilerdaten in einem Projekt führen, beide Pläne als PDF exportieren und einen orientierenden Selbstcheck für unterstützte Regeln ausführen. Das reduziert Medienbrüche, ersetzt aber keine Anschlussklärung, Leitungsberechnung, Baustellenaufnahme oder Messung.
Ein fehlerfreier Softwarecheck bedeutet nicht, dass die Anlage AREI-konform ist. Lassen Sie Entwurf und Ausführung fachlich prüfen und die offizielle Konformitätsprüfung von einer zugelassenen Stelle durchführen.
Weiterführende Artikel
- Eindrahtschema und Situationsplan richtig verbinden
- AREI-Elektrosymbole im Überblick
- Stromabnahme in Belgien vorbereiten
Neubauprojekt in PlanElec anlegen und Pläne vorbereiten →
Regelgrundlage: AREI/RGIE Buch 1 V06, insbesondere Kapitel 2.13, Abschnitt 3.1.2, Kapitel 6.4 und Abschnitt 9.1.2. Die amtliche Fassung und die konkrete Anlage sind maßgeblich.