10 wichtige AREI-Kontrollpunkte: Erkennen, vermeiden und beheben
Zehn wiederkehrende Prüfpunkte für belgische Hausinstallationen, fachlich eingeordnet ohne unbelegte Rangliste, Durchfallquote oder Kostenversprechen.
Diese zehn Punkte sind eine fachliche Prüfliste, keine statistische Rangfolge. Für eine belgienweite Durchfallquote oder Reihenfolge liegt keine belastbare amtliche Datengrundlage vor. Der konkrete Kontrollbericht bleibt maßgeblich.
1. Fehlender oder falscher FI-Schutzschalter
AREI-Artikel: Art. 4.2.4.3 (Haupt-RCD) / Art. 4.2.4.3 Abs. b (30mA-Gruppen-FI-Pflicht)
Beschreibung
Ein wichtiger Prüfschwerpunkt ist ein fehlender, ungeeigneter oder falsch bemessener FI-Schutzschalter (Differenzialschalter, RCD). Das AREI nennt für hauswirtschaftliche Anlagen insbesondere Steckdosen, Beleuchtung, Räume mit Badewanne oder Dusche sowie Waschmaschine, Trockner und Geschirrspüler als Stromkreise hinter einem hoch- oder sehr hochempfindlichen RCD. Daraus folgt keine belgienweite Häufigkeitsrangfolge.
Warum es ein Problem ist
Der FI-Schalter ist der wichtigste Personenschutz in einer Elektroinstallation. Er erkennt Fehlerströme (z. B. wenn Strom über den menschlichen Körper fließt) und schaltet innerhalb von Millisekunden ab. Ohne FI-Schutz besteht Lebensgefahr bei Isolationsfehlern.
Wie man es behebt
- RCD-Typ und Schutzkombination aus erwartetem Fehlerstromspektrum, Netzform, Herstellerunterlagen und Sonderkapitel ableiten. Bei Ladepunkten sind der individuelle AC-RCD-Schutz und der Schutz gegen glatte DC-Fehlerströme gemeinsam zu beurteilen; bei Wechselrichtern gilt die Dokumentation der konkreten Variante.
- Maximal 8 Endstromkreise pro 30-mA-RCD (AREI Art. 4.2.4.3b)
- Am Ursprung ist mindestens ein RCD mit höchstens 300 mA erforderlich; hauswirtschaftliche RCDs sind mindestens Typ A. Ob zeitverzögerte beziehungsweise selektive Ausführung nötig ist, ergibt sich aus der projektspezifischen Koordination und nicht aus einer pauschalen Typ-A-S-Regel.
Projektspezifischer Aufwand
Gerät, Polzahl, Platz, Verdrahtung und Messungen bestimmen das Angebot.
2. Fehlende oder veraltete Elektropläne
AREI-Artikel: Art. 9.1.2 Nr. 1 (Eindrahtschema), Art. 9.1.2 Nr. 2 (Situationsplan/Lageplan)
Beschreibung
Das AREI verlangt ein aktuelles Eindrahtschema und einen Situationsplan für jede Elektroinstallation. Häufig fehlen diese Pläne komplett oder sie spiegeln nicht den aktuellen Zustand der Installation wider — z. B. weil nach dem Bau Stromkreise hinzugefügt oder geändert wurden.
Warum es ein Problem ist
Ohne aktuelle Pläne kann weder der Kontrolleur noch ein Elektriker die Installation sicher beurteilen. Im Notfall (Brand, Unfall) fehlt die Dokumentation, welcher Schalter welchen Bereich versorgt.
Wie man es behebt
- Eindrahtschema und Situationsplan erstellen oder aktualisieren
- Alle Stromkreise, Sicherungen, RCDs und Verbraucher dokumentieren
- Pläne müssen den tatsächlichen Ist-Zustand zeigen
Projektspezifischer Aufwand
Ausgangsdaten und notwendige Stromkreisverfolgung bestimmen den Aufwand; Software ersetzt keine Aufnahme.
3. Fehlerhafte Erdung
AREI-Artikel: Art. 4.2.3
Beschreibung
Die Erdung ist Teil des Schutzkonzepts der Elektroinstallation. Ein Messwert über 30 Ohm ist nach Art. 4.2.4.3b nicht automatisch mit einer fehlenden Erdung gleichzusetzen: Er löst zusätzliche Anforderungen an die Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen aus. Ein Mangel liegt beispielsweise vor, wenn die Erdung fehlt oder beschädigt ist oder wenn die zum Messwert gehörende Schutzanordnung nicht erfüllt wird. Lockere Verbindungen und korrodierte Erdungsleiter müssen ebenfalls fachlich beurteilt werden.
Warum es ein Problem ist
Ohne funktionierende Erdung können metallische Gehäuse unter Spannung stehen, ohne dass der FI-Schalter auslöst. Das schafft eine unsichtbare Todesfalle.
Wie man es behebt
- Erdungswiderstand messen lassen
- Bei >30 Ohm die in Buch 1 geforderte ergänzende RCD-Anordnung prüfen: mindestens zwei hoch- oder sehr hochempfindliche RCDs, höchstens 16 einfache oder mehrfache Steckdosen je solchem RCD sowie ergänzender Schutz der übrigen betroffenen Stromkreise
- Fachlich entscheiden, ob Erdungsanlage verbessert, Schutzanordnung angepasst oder beides ausgeführt wird
- Alle Erdungsverbindungen prüfen und ggf. nachziehen
- Erdungsleiter auf Korrosion kontrollieren
Projektspezifischer Aufwand
Messwert, Bestand, Erdreich und Facharbeiten bestimmen die Lösung.
4. Fehlender Hauptschalter
AREI-Artikel: Art. 5.3.5.1b (Haupt-Lasttrennschalter)
Beschreibung
Jede Elektroinstallation muss über einen allpoligen Hauptschalter verfügen, mit dem die gesamte Installation spannungsfrei geschaltet werden kann. Der Hauptschalter muss mindestens 40A ausgelegt sein (bei Standardwohnungen).
Warum es ein Problem ist
Im Notfall muss die gesamte Installation mit einem einzigen Handgriff abgeschaltet werden können — z. B. bei Brand, Überschwemmung oder Unfall. Fehlt der Hauptschalter, kann das lebensrettende Sekunden kosten.
Wie man es behebt
- Allpoligen Hauptschalter ≥40A vor dem ersten RCD installieren
- Der Schalter muss leicht zugänglich sein (Verteilerkasten)
- Bei dreiphasiger Installation: 4-poligen Hauptschalter verwenden
Projektspezifischer Aufwand
Bemessung, Polzahl, Platz und Verteilerumbau werden projektspezifisch geprüft.
5. Badezimmer-Zonen missachtet
AREI-Artikel: Art. 7.1
Beschreibung
Das AREI definiert Schutzzonen im Badezimmer (Zone 0, 1, 2 und Bereich außerhalb der Zonen), in denen jeweils nur bestimmte elektrische Geräte erlaubt sind. Häufige Verstöße: Steckdosen in Zone 0 oder 1, fehlender Spritzwasserschutz, Schalter in zu geringem Abstand zur Badewanne oder Dusche.
Warum es ein Problem ist
Wasser und Strom sind eine tödliche Kombination. Die Badezimmer-Zonen stellen sicher, dass elektrische Geräte einen ausreichenden Sicherheitsabstand zu Wasserquellen haben.
Wie man es behebt
- Steckdosen und Schalter außerhalb von Zone 0 und 1 verlegen (mindestens 60 cm von Badewanne/Dusche)
- In Zone 2: nur IPX4-geschützte Geräte (Spritzwasserschutz)
- Alle Badezimmer-Stromkreise über 30-mA-RCD absichern
- Keine Verteilerdosen in Zone 0 oder 1
Projektspezifischer Aufwand
Position, Leitungsweg, Oberfläche und Betriebsmittel bestimmen den Umfang.
6. Kabelquerschnitt zu dünn für die Sicherung
AREI-Artikel: Art. 4.4.1 (Überstromschutz) / Art. 5.2.1.2 (Wahl elektrischer Leitungen)
Beschreibung
Die Sicherung (MCB) muss zum Kabelquerschnitt passen. Eine häufige Kombination: 20A-Sicherung auf einem 1.5 mm²-Kabel (das nur für 16A ausgelegt ist). Die Sicherung schützt das Kabel dann nicht vor Überlastung.
Warum es ein Problem ist
Wenn ein Kabel mehr Strom führt, als es verträgt, erhitzt es sich und kann Brände verursachen. Die Sicherung muss immer kleiner oder gleich der Belastbarkeit des Kabels sein.
Wie man es behebt
| Kabelquerschnitt | Max. Sicherung (gG) | Max. Leitungsschutzschalter |
|---|---|---|
| 1.5 mm² | 10A | 16A |
| 2.5 mm² | 16A | 20A |
| 4 mm² | 20A | 25A |
| 6 mm² | 32A | 40A |
| 10 mm² | 50A | 63A |
- Sicherung auf den korrekten Wert herabsetzen oder
- Kabel durch größeren Querschnitt ersetzen
Projektspezifischer Aufwand
Schutz reduzieren und Leitung ersetzen sind fachlich unterschiedliche Lösungen.
7. Zu viele Stromkreise pro FI-Schalter
AREI-Artikel: Art. 4.2.4.3b (max. 8 Endstromkreise pro 30-mA-RCD); Art. 5.3.5.2b (max. 8 Steckdosen pro Endstromkreis)
Beschreibung
Das AREI begrenzt die Anzahl der Stromkreise pro 30-mA-RCD auf maximal 8. Bei älteren Installationen hängen oft alle Stromkreise an einem einzigen RCD.
Warum es ein Problem ist
Wenn zu viele Stromkreise an einem RCD hängen, steigt die Wahrscheinlichkeit von Fehlauslösungen (durch Addition der Ableitströme). Außerdem ist bei einem Fehler die gesamte Wohnung stromlos — nicht nur der betroffene Bereich.
Wie man es behebt
- Zusätzliche 30-mA-RCDs installieren
- Stromkreise sinnvoll aufteilen (z. B. nach Etage oder Funktion)
- Maximal 8 Stromkreise pro 30-mA-RCD
Projektspezifischer Aufwand
Verteilerplatz, Aufteilung, Bemessung und Messungen gehören ins Angebot.
8. Fehlende Beschriftung der Stromkreise
AREI-Artikel: Art. 3.1.3.1 (Kennzeichnung von Stromkreisen)
Beschreibung
Alle Sicherungen und RCDs im Verteilerkasten müssen eindeutig beschriftet sein. Die Beschriftung muss angeben, welcher Raum oder welches Gerät vom jeweiligen Stromkreis versorgt wird.
Warum es ein Problem ist
Ohne Beschriftung kann im Notfall nicht schnell der richtige Stromkreis abgeschaltet werden. Auch für Wartungsarbeiten ist eine klare Zuordnung unerlässlich.
Wie man es behebt
- Alle Sicherungen mit lesbaren Etiketten versehen
- Bezeichnung nach Raum und/oder Funktion (z. B. "Küche Steckdosen", "Badezimmer Licht")
- Beschriftung muss mit dem Eindrahtschema übereinstimmen
Projektspezifischer Aufwand
Beschriftung ist klein; unbekannte Stromkreise sicher zu identifizieren kann Facharbeit sein.
9. Kabel ohne Schutz
AREI-Artikel: Art. 5.2.2 (Verlegearten) / Art. 5.2.1.5 (mechanische Festigkeit)
Beschreibung
Elektrokabel müssen in Schutzrohren (Leerrohren), Kabelkanälen oder Wandschlitzen verlegt werden. Freiliegende Kabel ohne mechanischen Schutz — etwa über Putz oder lose im Keller — sind ein Verstoß.
Warum es ein Problem ist
Ungeschützte Kabel können mechanisch beschädigt werden (Nagel, Schraube, Nagetiere). Eine beschädigte Kabelisolierung kann zu Kurzschlüssen und Bränden führen.
Wie man es behebt
- Freiliegende Kabel in Kabelkanäle (Leerrohre) verlegen
- Bei Aufputzverlegung: geeignete Kabelkanäle verwenden
- Durchführungen durch Wände mit Brandschutzmanschetten abdichten
Projektspezifischer Aufwand
Leitung, Umgebung, mechanischer Schutz und baulicher Eingriff bestimmen die Ausführung.
10. Fehlender Überspannungsschutz (SPD) bei Neuinstallation
AREI-Artikel: Art. 4.5.1
Beschreibung
Art. 4.5.1 schreibt allgemein vor, dass Personen und Güter vor den schädlichen Folgen von Überspannungen geschützt werden müssen — nach den Regeln des Fachs. In der Praxis wird bei Neuinstallationen und wesentlichen Erweiterungen ein SPD (Überspannungsschutz) gefordert. Bei bestehenden Installationen ist er empfohlen, aber nicht ausdrücklich vorgeschrieben.
Warum es ein Problem ist
Überspannungen durch Blitzschlag oder Netzstörungen können empfindliche Elektronik zerstören. Ein SPD leitet Überspannungen sicher zur Erde ab und schützt die angeschlossenen Geräte.
Wie man es behebt
- SPD Typ 2 im Verteilerkasten installieren (nach dem Hauptschalter, vor den RCDs)
- Bei Blitzschutzanlage zusätzlich SPD Typ 1
- Regelmäßig die Statusanzeige des SPD prüfen (grün = OK)
Projektspezifischer Aufwand
SPD-Auswahl, Koordination, Anschluss und Verteilerumbau sind projektspezifisch.
Fazit: Selbstcheck als Planungshilfe
PlanElec weist auf unterstützte Planungsprobleme hin. Physische Mängel erkennt ein Planungstool nicht; der Selbstcheck bleibt teilweise und ist keine offizielle Prüfung. Quellen sind AREI/RGIE Buch 1 V06 und die amtliche Kontrollübersicht, ohne Häufigkeitsrangliste.
Nutzen Sie die Punkte in zwei Durchgängen: zuerst Dokumentation und Referenzen, danach den realen Zustand, Messwerte und Schutzfunktionen durch befähigte Personen. Eine korrigierte Zeichnung beweist nicht, dass ein physischer Mangel behoben ist. Umgekehrt muss eine ausgeführte Korrektur wieder in Schema und Lageplan erscheinen. Markieren Sie jeden offenen Punkt mit Quelle und Verantwortlichem. So bleibt die Liste eine nachvollziehbare Vorbereitung und kein Versprechen über den Ausgang der Kontrolle.
Bewahren Sie die datierte Fassung zusammen mit Kontrollbericht, Messnachweisen und Herstellerunterlagen auf. Dadurch bleibt später erkennbar, welche Aussage auf Dokumentation und welche auf einer tatsächlichen Prüfung beruht.
Verwandte Artikel:
- Stromabnahme durchgefallen — was nun?
- 30 mA FI-Schutzschalter: Wann ist er Pflicht?
- Kabelquerschnitt und Sicherung: Die richtige Kombination
- Badezimmer-Kabel und AREI-Zonen
Strukturieren Sie Ihre Planung mit PlanElec und nutzen Sie den Selbstcheck als Vorbereitung auf die fachliche und offizielle Prüfung. Jetzt starten →
Primärquellen: AREI/RGIE Buch 1 V06 und FÖD-Übersicht zur Hausanlagenkontrolle. Sie belegen Pflichten, keine Häufigkeitsrangliste.